Hintergründe zur Entwicklung der Heiveld Kooperative

Trotz der beginnenden Demokratie im Jahre 1994, waren 1999 die „farbigen“ Mitglieder der Suid Bokkeveld Gemeinschaft noch immer von Marktzugang, politischen Einfluss und Zugang zu Information und Wissen bzgl. einer nachhaltigen Entwicklung ausgeschlossen. Materielle Armut war weit verbreitet.

1998 lud der Direktor der Behörde für Landwirtschaft im Nordkap die Nichtregierungsorganisation (NGO) Environmental Monitoring Group (EMG) ein, um gemeinsam Strategien zu erarbeiten durch partizipative und „bottom-up“-Methoden mit den lokalen Bäuer*innen zusammenzuarbeiten. Nach offizieller Anfrage begann EMG zusammen mit der NGO Indigo development & change einen Entwicklungsplan zu entwerfen.

Das Ziel der beiden NGOs war es gemeinschaftsbasierte Entwicklungsprozesse zu unterstützen, die sowohl die Lebensgrundlagen, wie auch die natürlichen Ressourcen für die Gemeinschaft erhalten. Sie kooperierten mit den Menschen vor Ort, die interessiert daran waren, sich bei Planung und Umsetzung für eine positive Entwicklung einzubringen. Am 7. März 1999 fand in Melkkraal ein Gemeindetreffen statt, bei dem die Teilnehmer*innen gemeinsame Prinzipien beschlossen, die die folgende Zusammenarbeit betrafen. Die Prinzipien und die Werte, die ihnen zugrunde liegen haben den Entwicklungsprozess seitdem bestimmt. Diese waren:

  1. Beteiligung bei jeglicher Projektaktivität soll den Akteuren Vorteile bringen
  2. Vision, Enthusiasmus und Teilhabe müssen zunächst mobilisiert werden, bevor Gewinne erzielt werden
  3. Die am meisten Benachteiligten sollen den größten Nutzen ziehen
  4. Das Projekt soll der lokalen Gemeinschaft und auch darüber hinaus nutzen
  5. Jeder arbeitet zusammen im Geiste des gegenseitigen Respekts
  6. Es herrscht Transparenz bei der Projektdokumentation

Die NGOs im Suid Bokkevveld glaubten, dass interaktive Partizipation eine gute Herangehensweise in dieser Gemeinschaft wäre, der es an Erfahrung in kollektiver Selbstorganisation fehlte. Der Prozess führte zu der Entstehung einer Entwicklungsvision, und schließlich zu der Gründung der Heiveld-Kooperative. Die 14 Gründungsmitglieder von Heiveld wollten ein Unternehmen gründen, das ihnen allen gehörte und das sie demokratisch führen wollten. Sie wollten ihre eigene Teeverarbeitungsanlage und einen eigenen Marktzugang für ihre Produkte.

Heiveld mietete zunächst die Teeverarbeitungsanlage eines konventionell wirtschaftenden Farmers aus der Gegend und ging einen Dreijahresvertrag mit einem europäischen Importunternehmen ein, das ihnen fair und ökologisch produzierten Rooibostee abnahm. Nach drei Jahren hatte Heiveld die Finanzierung ihrer eigenen ökologischen Zertifizierung gesichert und war in der Lage den Markt als Exporteur zu betreten. Über die Jahre hat Heiveld in den Aufbau des Unternehmens investiert und dabei die nachhaltige Produktion durch die Mitglieder gestärkt (Kontrolle von Bodenerosion, Schulung in ökologischen Anbau, Versorgung mit ökologischen Rooibospflanzen und Samen, etc.). Es wurden auch Gelder für die Entwicklung der Gemeinschaft bereitgestellt.

Die Heiveld-Kooperative wurde 2001 ins Leben gerufen um historisch benachteiligten Rooibos-Bäuer*innen des Suid Bokkeveld dabei zu unterstützen ihre Einkommen zu steigern und direkten Marktzugang zu erhalten.

Die Ziele von Heiveld-Kooperative sind folgende:

  • Menschen, die im Rooibosanbau im Suid Bokkeveld engagiert sind, im Speziellen jene, die auf Grund ihrer Rasse oder ihres Geschlechts benachteiligt wurden, in einer Organisation vereinen, die allen gemeinschaftlich gehört und demokratisch geführt wird.
  • Die Interessen der Mitglieder unterstützen, indem nachhaltige ökonomische Aktivität gefördert wird, was wiederum die soziale und ökonomische Entwicklung der Suid Bokkeveld-Gemeinschaft fördert
  • Die Vermarktung der Produkte der Mitglieder
  • Den Mitgliedern Dienste gemeinschaftlich anbieten, um Kosten zu reduzieren
  • Professionelle Unterstützung und/oder Ratschläge für die Mitglieder einholen
  • Beantragung von Krediten für die Mitglieder für Produktionskosten
  • Fortbildungen für Mitglieder und potenzielle Mitglieder
  • Bereitstellungen von Dienstleistungen für Vertragspartner
  • Propagierung der Entwicklung einer Kooperativen-Bewegung

Im Juni 2002 wurde die Heiveld-Kooperative registriert (Registrierungsnummer 2347). Im selben Jahr wurde Heiveld als Handelsmarke registriert.

2001 wurde der erste Heiveld Rooibostee erfolgreich nach Europa exportiert und in den folgenden Jahren entwickelte die Kooperative ihre Handelspartnerschaft mit einer Reihe von Fairhandels-Partnern im globalen Norden.

2003 bekam die Heiveld-Kooperative ihre eigene Ökolandbau-Zertifizierung und wurde der erste Rooibos-Produzent, der von Fair Trade International zertifiziert wurde.

Über die Jahre hat Heiveld den Ruf erarbeitet beständiger Produzent von Rooibos höchster Qualität zu sein.

Aus historischen Gründen haben die Mitglieder der Kooperative nicht genügend Zugang zu Land um die Mengen Rooibos zu produzieren, die vom Markt gefordert werden. Aktuell werden die meisten Flächen mit hohen Rooibos-Produktions-Potenzial von großflächig wirtschaftenden weißen Farmern geführt.

Die Heiveld-Kooperative hat aktuell 74 Mitglieder, von denen vier kollektive Unternehmen in Besitz der Mitglieder sind und 30 Mitglieder Frauen sind.

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