Die Geschichte von Suid Bokkeveld

Das Bokkeveld war Heimat der Jäger und Sammler der San sowie lange Zeit später der Viehhierten der Khoi Khoi, die Anfang des ersten Jahrtausends in diese Gegend migrierten. Mit der Kolonialisierung der Kapregion durch die Niederlande im Jahr 1652 wurde die indigene Bevölkerung langsam von ihrem Land vertrieben.

Das Suid Bokkeveld wurde durch Europäer ab 1739 besiedelt. Dies führte zur Auslöschung bzw. Versklavung der San sowie der Khoi Khoi. Das Land der „KhoiSan“ wurde durch die Kolonialregierung in Besitz genommen und an europäische Siedler verkauft. Die indigene Kultur, Sprache und Autonomie gingen so weit verloren, dass die „ersten Menschen“ kein politisches Mitspracherecht mehr besaßen und als bloße Arbeitskraft betrachtet wurden.
In den darauffolgenden Generationen wurden die Siedler als „Weiße“ definiert und jene aller anderen Bewohner als „farbig“ bzw. „coloured“. Der Besitz von Grund und Boden war das alleinige Privileg der Weißen.

Mit der Beendigung der Sklaverei in der Kapregion im Jahr 1834, und der bewilligten Selbstverwaltung der Kolonie im Jahr 1853, wurde eine Verfassung unterzeichnet, die Diskriminierung auf Grund von Rasse untersagte. Farbigen war es von nun an möglich, Land zu kaufen und dieses zu besiedeln. Nach 200 Jahre Besiedelung war das meiste gute Land jedoch schon an weiße Siedler verkauft und besiedelt. Nur einige trockene unfruchtbare Landstriche waren noch zu haben. Auch im Suid Bokkeveld konnten ein paar Farbige Land kaufen, das meiste davon in niedrigeren Lagen, die einen geringeren ökonomischen Wert hatten und schwer erreichbar sind.

Anfang des 20. Jahrhunderts besaßen einige Familien der “coloureds” ihr eigenes Land im Suid Bokkeveld. Typischerweise waren auf diesen Farmen große Familien heimisch und es wurde hauptsächlich Getreide- und Gemüseanbau in Subsistenzlandwirtschaft sowie ein wenig Viehwirtschaft betrieben. Als Transport- und Zugtiere gab es Esel. Honig, Rooibos und andere Produkte wurden für den Eigenbedarf produziert.

Später verloren die “coloureds” langsam ihre Rechte. Dies gipfelte in der Ausrufung der “großen Apartheid” durch die Nationalist Party nach ihrer Wahl im Jahre 1948. In der Ideologie der Apartheid waren farbige Menschen im ländlichen Raum, reine Arbeitskraft für die weißen Bauern. Sie wurden unter der Apartheid eine günstige Arbeitskraft für die Agrarindustrie.

Professorin Dorrit Posel schrieb:

Das primäre Bild einer Gesellschaft in der Apartheid war, dass jede “Rasse” ihren eigenen Platz hat – ökonomisch, politisch und sozial. Rasse war das alles entscheidende Merkmal: Das fundamentale organisierende Prinzip für die Verteilung aller Ressourcen und Chancen, die Basis für räumliche Verteilung, Planung und Entwicklung, die Grenze zwischen sozialer Interaktion, sowie die primäre Kategorie bzgl. der sozialen und moralischen Beurteilung und Verteidigung der Gesellschaft.

Obwohl das Suid Bokkeveld nicht als Region der Weißen deklariert wurde, musste bei Verkauf von Land an “Farbige” stets eine staatliche Erlaubnis eingeholt werden. Daraus resultierend kam es zu keiner großen Veränderung der Landbesitzverhältnisse.

Die Verfassung von 1983, sollte ursprünglich die Basis für eine neue Allianz zwischen Weißen und zuvor ausgestoßenen farbigen und indischen Minderheiten bilden, hatte jedoch den gegenteiligen Effekt und strich Farbige Bauern endgültig von der Landbesitzkarte. Zwischen 1984 und 1994 hatten farbige Bauern keinerlei Zugang zu landwirtschaftlicher Unterstützung durch den Staat.

Diese Geschichte erklärt wie die farbigen Mitglieder der Suid Bokkefeld-Gemeinschaft dazu gezwungen wurden jahrzehntelang im ökonomischen, sozialen und politischen Schatten des von Weißen dominierten Südafrika zu leben hatten. Das Resultat dieser Ausgrenzung während der Kolonial- und Apartheidzeit war die Erosion von Freiheit, Landbesitz und die Schaffung einer Arbeiterklasse, die den Interessen der weißen Landbesitzer diente. Das Vorurteil von Menschen europäischen Ursprungs über die indigene Bevölkerung, minderwertig zu sein und ihnen jegliche Rechte abzusprechen machte es den „Coloureds“ unmöglich soziale und ökonomische Mitbestimmungsrechte zu erlangen.

Mit dem Beginn der Demokratie im Jahre 1994 hatten die Kleinbauern im Suid Bokkeveld keine formellen Institutionen, die ihre Interessen repräsentierten. Dies stand im Kontrast zu den benachbarten weißen Gemeinschaften, deren Teilhabe an verschieden repräsentativen Strukturen, inklusive der gewählten Regierung, seid mehr als einem Jahrundert legitimisiert und unterstützt wurde.

Isolierung, schlechte Infrastruktur und niedrige Niederschläge sowie aufkommende Trockenperioden und schlechte Böden limitierten die Entwicklung der lokalen Ökonomie im Suid Bokkeveld. Die Notwendigkeit, Getreide auf den trockenen Böden für die Subsistenz anzubauen, führte zu einer langsamen Erosion der Böden in südlichen und östlichen Ecken des Suid Bokkeveld. Jedoch bedeutete physische und politische Marginalisierung auch dass sich die Gemeinschaft relativ unabhängig von äußeren Einflüssen entwickeln konnte und erfolgreich Wege nehmen konnte, menschliche Bedürfnisse zu befriedigen. Hierbei spielte auch die Kirche eine bedeutende Rolle.

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